Der lachende Abschied: Bye, bye Windeln, Kinderwagen und Nerv-Spielzeug

„Sie werden ja so schnell groß. Genießt die Zeit!“

So oder ähnlich hört man es oft von Eltern älterer Kinder (gerne auch gefolgt von sehnsüchtigem Seufzen oder wissendem Grinsen). Wobei „älter“ sich meist auf jene Altersgruppe bezieht, bei der monatliche und auch jährliche Entwicklungssprünge nicht mehr als große Ereignisse gefeiert werden.
Ich befinde mich mit unserer Kindern aber noch in jener Phase, in der die Verabschiedungen von vermeintlich unersetzbaren Gegenständen große Emotionen auslösen; besonders bei den Eltern.

Hier meine momentane Top 5 der überflüssig gewordenen Dinge, denen ich keine Träne nachweine.

1. Windeln

Laut den Weisheiten des Internets verbraucht ein durchschnittliches (?) Kind in seinem Windelleben 6000 Exemplare bis es sich „entschließt“, trocken zu werden (heißt, bis die neuronale Entwicklung so weit ist: „Ach, dein Kind braucht immer noch eine Windel?“).
An die erste Windel kann sich jeder Vater oder jede Mutter erinnern („So ein Pech!“), an die letzte vermutlich nicht. Dazwischen liegen Dramen auf beiden Seiten, Cremereste an Businessanzügen oder kontaminierte Finger trotz mehrmaligen Händewaschens.
Scheinbar gibt es immer wieder Kinder, die sich gerne von ihren Erzeugern (oder sonstigen Bezugspersonen) wickeln lassen; immer und an jedem Ort. Die meisten aber versuchen eher durch akrobatische Brückenfiguren zu überzeugen oder wälzen sich von links nach rechts (inkl. dem, was nicht unbedingt mitgewälzt werden sollte).
Wenn sich das Windelthema dann langsam ausschleicht, eines aus diesem langen Kapitel bleibt für immer: Der Geruch der Windeljahre, diese spezielle Mischung aus Polyester, dem magischen „saugfähigen Gel“  und den vielfarbigen Hinterlassenschaften des Kindes („Oh, hast du wieder feinen Gulasch gegessen!“).

2. Schnuller (Nucki, Nunu) und Schnullerketten

Der eine hat ihn von heute auf morgen einfach nicht mehr gewollt, die andere schiebt sich sogar im Kindergarten noch immer zwei in den Mund: Schnuller.
Kurz nach der Geburt ist man(n) froh, dass es sie gibt (denn ab und zu stellt sich durchaus der selbstberuhigende Saug-Effekt ein), dann aber kommt die Zeit, in der in jedem Zimmer des Hauses durchgekaute Exemplare herumliegen. Unter Sesseln, Heizungen, in den Matratzenritzen und in (!) Papas Bass-Lautsprecher. Immer mal wieder dampfgereinigt, um zumindest den gröbsten Staub zu entfernen, scheinen die Latex- oder Silikonsauger trotz verstärkten Wegwerfens eine Möglichkeit gefunden zu haben, sich immer wieder selbst zu replizieren.
Auch tritt der Nucki zumindest im ersten Jahr nicht alleine auf. Sein Sitekick, die Schnullerkette, folgt ihm in unmittelbarer Nähe. Sicherlich hat solch eine Kette ihre Berechtigung, denn so baumelt der Sabberschnorchel auf der Babybluse umher und sammelt nicht den Dreck der Straße auf. Doch wer einmal eine „pädagogisch wertvolle“ hölzerne Kette, oder deren metallenen Clip zur Befestigung an Kleidungsstücken, ins Gesicht bekommen hat, weiß, wie wenig man sie am Ende vermisst.
So liegt es wohl weniger an gefürchteten Zahnschiefstellungen, dass Eltern mit Schnullerfeen konspirieren. Bei uns kam übrigens der Schnuller-Ork.

3. Badezimmerhocker und Klothrone

Noch immer trage ich eine Narbe am Schienbein, die mich eindrucksvoll an jene Nacht erinnert, als ich leichtsinnigerweise wagte, ohne Licht die Toilette aufzusuchen. Der weiße Plasikhocker mit seinen schwarzen Anti-Rutsch-Noppen auf der Trittfläche, dessen einziger Existenzgrund darin besteht, meinen Kindern das Reinigen von Händen, Mündern und Zähnen zu erleichtern, lacht vermutlich noch immer über mich. Er fällte mich nicht nur der Länge nach, sondern vermittelte auch die Bekanntschaft zwischen meinem Kopf und der Toilettenspülung an der Wand dahinter. Wenigstens war zu diesem Zeitpunkt sein schurkischer Partner, der Klositz, bereits auf eBay gelandet („So gut wie neu!“).

4. Babyschale und Kinderwagen

Was tun manche Eltern nicht alles, um ein möglichst auffälliges Gefährt für ihren Nachwuchs zu kaufen (momentan sind die Kinderwagen der 70er wird aktuell: Kordstoff-Monster mit Weißreifen…wenn das nicht prägt). Kaum verlässt man das Krankenhaus mit dem Filius, zerrt man sich beim Tragen der Babyschale den Rücken. Kurze Zeit später wuchtet man den ach so leicht faltbaren Kinderwagen in den ach so familientauglichen Kombi-Kofferraum und zwängt ihn in den Hausflur zwischen Briefkasten oder Garderobe. Natürlich ist es toll, endlich wieder einen Grund zu haben, „an die frische Luft zu gehen.“ Und noch toller ist es, nachher das Reifenprofil vom Hundekot zu befreien.
Wenn man den Kinderwagen dann irgendwann nur noch benutzt, um den fußläufigen Einkauf zu tragen, weil das Kind sowieso nicht mehr darinsitzen mag, ist es Zeit, auch von diesem Vehikel Abschied zu nehmen.

5. Das Sound-Spielzeug

In jedem kinderlastigen Haushalt gibt es mindestens ein Spielzeug, dessen Rasseln, Klappern, Quietschen oder Singen Eltern in den Wahnsinn treibt; gerne auch in einer Lautstärke und kakophonischen Vehemenz, bei der man sich fragt, wie das bei den Prüfern als „gesundheitlich unbedenklich“ durchgehen konnte.
Bei uns war es eine Schildkröte mit mehreren Knöpfen und Rädern auf dem Rücken, welche beim Drehen oder Drücken diverse Lieder, Geräusche oder geplärrte Zahlen von sich gab (damit das einjährige Kind schon weiß, dass „vier Libellen schwirren“). Mehrfach stürzte die Schildkröte von der Terrassentreppe, oftmals wurde sie auf dem Panzer liegend durch die Wohnung gezogen – ohne dass sie verstummte. Selbst die Batterien (sonst bei jedem anderen weniger stark frequentieren Spielgerät ständig leer – aber das ist eine andere Geschichte) halten noch immer. Mittlerweile fristet die Schildkröte ebenfalls ihr Dasein im Keller. Und dennoch entdecken die Kinder sie zwischen Winterreifen und Einmachgläsern immer wieder.

2 thoughts on “Der lachende Abschied: Bye, bye Windeln, Kinderwagen und Nerv-Spielzeug

  1. Hey Daniel,

    Bis es bei uns soweit ist, dauert es noch etwas. Wobei – Schnuller hatten wir bei allen drei nie und der Kinderwagen ist einem schmalen Buggy für lange Strecken gewichen. Dafür stehen da jetzt Dreiräder, Fahrräder, Laufräder. Und Sound wird es mit Mobiltelefon, Computer und Stereoanlage noch mehr als genug geben. Was ich aber liebe ist es, dass die Hände und damit das ganze Haus nicht mehr so klebrig sind und die Kinder ruhig lesen. Andere Familien sitzen stumm vor dem TV, wir werden leise mit den Büchern dasitzen und wehe jemand sagt was?

    LG
    Eva

    1. Hi Eva,
      das mit den Büchern ist eine wunderbare Art, Kindern die Welt zu zeigen. Das Bücherregal meiner beiden Kleinen ist mittlerweile größer als mein RUB (Regal ungelesener Bücher).
      Danke, dass du meinen Artikel gelesen hast. Bald gibt es mehr.

      Liebe Grüße
      Daniel

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