Wer ist Daniel Bleckmann? – Ein fiktives Interview

Die Stufen zum Tempel des Sonnengottes sind backofenwarm und ich bin froh über den Baldachin, der sich sanft über uns im Meereswind bläht. Ich strecke die Füße aus und überlege, ob ich meine Schuhe ausziehen soll. Mein heutiger Interview-Partner fläzt sich auf der Treppe, als hätte er sie erbaut. Tatsächlich sind nicht nur diese Stufen in seinem Kopf entstanden, er hat auch jeden einzelnen Stein dieses weitläufigen Platzes, jede tropische Pflanze und all die Besucher des „Forums der fünf Häuser“ erschaffen.
Heute werde ich Daniel Bleckmann, Jahrgang 1977 und aus NRW, zu seiner Person, der Fantasywelt, die er erschaffen hat und seiner Ambition, eine Geschichte zu veröffentlichen, befragen.

Herzlichen Dank, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast. Vermutlich hast du momentan viel zu tun, um das alles hier [deutet umher] am Laufen zu halten.
Hallo und danke, dass ich dazu heute etwas erzählen darf. Tatsächlich ist der größte Teil des so genannten Weltenbaus abgeschlossen. Natürlich muss an der ein oder anderen Fassade noch gewerkelt werden, aber die Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner ist fertig und natürlich auch die Momentaufnahme aus dieser Welt, die meinen ersten Roman bildet.


Worum geht es genau?

Ich erzähle die Gesichte eines dreizehnjährigen Jungen, der auf der Suche nach seinem verschollenen Vater in eine Stadt gerät, deren Betreten für Menschen verboten ist. Denn in dieser geheimen Stadt leben edelsteinfarbene, koboldhafte Wesen, die die Menschheit seit mehr als 4000 Jahren bestehlen (um was, wird noch nicht verraten). Will der Junge seinen Vater hier finden, muss auch er den Weg eines Diebes gehen. Da haben natürlich einige Bewohner etwas dagegen.

 
Dieser erste Roman soll auch dein Debüt sein. Wie lange arbeitest du schon an dem Stoff und wie sieht diese Arbeit aus?
Ich bin mit klassischen Pen&Paper-Rollenspielen aufgewachsenen und die erste Idee hatte ich schon mit 16, als wir Jungs in der Gruppe ein eigenes Spielsystem und eine eigene Fantasywelt entwerfen wollten. Einiges davon, zum Beispiel die oben erwähnten „koboldhaften“ Kreaturen stammen noch aus dieser Zeit. Soweit ich das überblicke, habe ich mit ihnen ein völlig neue Fantasyvolk erschaffen, mit dem sich die Leser, so hoffe ich, gut identifizieren können.
Im Lehramts-Studium (ja, der Klassiker) war mir dann kurz vor meiner Examensarbeit ein wenig langweilig und ich habe angefangen, erste Ideen für einen Roman zu notieren. Natürlich hatte ich damals nicht die leiseste Ahnung von solchen Begriffen wie „plotten“, „Heldenreise“ oder Scene-Sequel-Strukturen und habe erst mal drauflos geschrieben.
Mit Geburt meines Sohnes vor gut fünf Jahren bin ich dann ernsthafter an die Sache herangegangen. Ich war sowieso früh wach und morgens kann ich am besten arbeiten; also unter Schwarztee. Noch heute stehe ich um 5 Uhr auf, um vor dem Brotjob schon etwas zu schreiben. Spätabends setze ich mich dann nochmal an den Schreibtisch, recherchiere, überarbeite und dergleichen.


Und nun ist der Roman fertig?

Die Geschichte ist erzählt. Aber fertig ist sie erst, wenn ich auch das Feedback meiner Testleser eingearbeitet habe. Diese Betaleser sind Jungs und Mädels und Damen und Herren aller Altersstufen und verschiedene Lesertypen. Ich will nämlich noch herausfinden, bei wem der Roman am besten ankommt und jede Form von Feedback verbessert meiner Meinung nach einen Text.


Wie willst du deinen Roman veröffentlichen?

Ich möchte den klassischen Weg über eine Literatur-Agentur wagen, die ihrerseits dann direkt an die Verlage herantritt. Die Bewerbung bei einer Agentur ist für die Jahresmitte geplant. Aus den Erfahrungen anderer Autoren weiß ich, dass sich solch ein Bewerbungsprozess sehr lange hinziehen kann und nur selten von Erfolg gekrönt ist. Aber einen Versuch ist meine Geschichte allemal wert und während der Wartezeit plane ich eben den nächsten Roman.


An dieser Stelle musste das Interview abgebrochen werden. Wie jeden Tag zur Mittagszeit ging ein Regenguss über der Stadt nieder, dem auch der Baldachin nicht gewachsen war. Ein zweites Interview ist jedoch bereits geplant.

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