Rezension: Diana Hillebrand: „Heute schon geschrieben?“ (Band 1+2)

Schreibratgeber sind heutzutage keine Seltenheit mehr. Viele bedienen Nischen, richten sich an Autoren unterschiedlicher Genres und Textsorten oder versuchen, durch Witz oder besondere Eloquenz zu überzeugen.

Steht man aber vor der Wahl, ein Werk auf seinen Schreibtisch zu stellen, das nahezu alle Themen und Werkzeuge des Schreibhandwerks auflistet (und dies auch noch in leichtfüßiger und natürlicher Sprache), dann kommt man an Diana Hillebrands „Heute schon geschrieben?“ nicht vorbei.

Auf fast 900 Seiten (ich kenne keinen anderen Schreibratgeber, der so umfangreich ist), gegliedert in 10 Kapitel und aufgeteilt in zwei Bände, zeigt die Autorin anhand vieler Text-Beispiele und Übungen, wie man heute schreibt.

Band 1:

Von der Ideenfindung und der Strukturierung guter Einfälle, über die Entwicklung von Figuren, Handlungsorten bis hin zur Erzählperspektive und dem Dialogschreiben legt der erste Band die „Basics“ für das Schreibhandwerk dar.     
Dabei wechseln sich Erklärungen mit Praxistipps und Schreibübungen ab. Wie erstellt man ein Cluster,  auf welcher Internetseite kann man das 10Finger-System erlernen, wo finden sich Namensgeneratoren für Fantasycharaktere, wie schreibt man gute Dialoge und wieso transportieren „Wind“ und die Farbe „Blau“ mehr Informationen als die Wörter „Sehnsucht“ und „Melancholie“?           
Es sind diese und die Tipps zwischen den Zeilen, die persönlichen Anekdoten der Autorin, die diesen Ratgeber so lesenswert machen.     
Viele Vergleiche aus der Literatur runden die Schreibtechniken ab und man taucht in die Geschichten von Kehlmann, Süßkind, Pamuk, Ende und Schlink ein. Doch nie greift Hillebrand nur aus reinem Selbstzweck auf die berühmten Autoren zurück.

Auch der Spaß kommt nicht zu kurz: Neben einem Quiz, bei dem man seine Erzählperspektiven-Kenntnisse schulen kann, gibt es auch kreative Schreibübungen zu Handlungsräumen und ein Dialogduell.

Band 2:

Nun geht es auf ein deutlich höheres Level des Autorendaseins. Der Band beginnt mit der Darstellung bekannter Plotsysteme (3-Akt-Struktur, Gustav Freytags Pyramide, Heldenreise, Schneeflockenmethode) und stellt danach Software-Programme vor, die viele Autoren zum Planen und Schreiben nutzen.          
Weiter geht es mit Abhandlungen über den Spannungsaufbau und die „Musik der Sprache“. Auch ein umfangreiches Kapitel über das Editieren fehlt nicht und es finden sich Erklärungen zu Überarbeitungsmethoden, die den jungen Autor wohlwollend, aber keineswegs überfordernd an die Hand nehmen.
Abgerundet wird Band 2 mit praktischen Anleitungen, wie man eine Normseite erstellt, wo man im Internet einen Füllwörter-Test machen kann und welche Bücher man lesen sollte, wenn man Krimis schreibt. Überhaupt scheut sich Hillebrand nicht davon, auch die Namen ihrer Schreibratgeber-Kollegen zu nennen und stimmt damit in jenes Credo ein, das man mittlerweile oft in der Branche hört: Schreibt täglich und unterstützt euch gegenseitig! Neben dem großen Sol Stein werden so auch deutsche Namen wie Matting, Roentgen, Waldscheidt und die Schreibratgeber von Sylvia Englert genannt.            
Band 2 schließt mit der Verlags- und Agenturensuche, bietet Ausblicke auf das Selfpublishing, Tricks für Lesungen sowie dem Gedanken zum unvermeidbaren SocialMedia-Marketing für Autoren.

Diana Hillebrand schreibt abwechslungsreich, authentisch und didaktisch gerade so dosiert, dass weder Langeweile noch Unverständnis aufkommen. Die Balance zwischen persönlicher Anekdote, Werkstattbericht und Lehrbuch gelingt über die volle Breite ihrer beiden Bände. Auch das Format des Ratgebers, der Druck, der Satz, der Einband, das Lesebändchen sowie die vielen unscharf gestalteten Kritzeleien auf den Seiten gefällt. Über die Farbgebung des Einbandes kann man streiten. Zumindest fällt „Heute schon geschrieben?“ in jedem Bücherregal auf.

Abschließend sind nur zwei Aspekte zu kritisieren:       
– Die Kurzgeschichte „Hannas WeGe ins Glück“ (sie zieht sich häppchenweise durch beide Bände) greift am Ende jedes einzelnen Schreibkurses zwar die soeben behandelten Aspekte auf, wirkt aber in ihrer Konzeption zu wenig gewagt und kann bei der Lektüre getrost übersprungen werden.   
– Beide Bände ermöglichen einen sehr guten Einstieg in das Autorenleben von Schreibnovizen. Für Vertiefungen spezieller Themen sollte jedoch zu weiterer Ratgeberliteratur gegriffen werden, da die knapp 900 Seiten verständlicherweise nur wenig Raum für Exkurse oder Transfers bieten.

Fazit:
Diana Hillebrand legt mit beiden „Heute schon geschrieben?“-Bänden ein Rundum-sorglos-Paket vor, das nahezu das gesamte Handwerkzeug guten Schreibens beinhaltet.               
Ihr Schreibratgeber ist leicht zu lesen, punktet mit vielen praktischen Übungen und vor allem dem hohen und authentischen Erfahrungsschatz der sympathischen Autorin aus München.

 

 

 

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