Urlaub mit Kindern – Hauptsache nahe am Sand

Schönen Urlaub. Erholt euch gut. Genießt die Zeit.

Wenn meine Frau und ich früher solche Sätze gehört haben, freuten wir uns über die Wünsche. Urlaub war eine Abkehr von Alltag und Arbeit, eine Auszeit, gerne gepaart mit der Erweiterung des Horizontes (in unserem Fall: Berge statt Strand, Museum statt Pool, Burgruine statt Ballermann). Urlaub war vor allem eines: viel lesen (und viel schreiben).
Das war einmal. Seit wir Kindern haben, ist Urlaub vor allem eins: eine sandige Herausforderung.

Evolution des Familienurlaubs
Unsere Kinder sind derzeit ca. 4 und 2 Jahre alt. Von Anfang an, kaum war der erste Geburtstag vorbei, haben wir sie mit in den Urlaub geschleppt. In unseren typischen Urlaub – wie naiv.

Es gibt diese Paare, die ihre Kinder noch im Stillalter ins Flugzeug zerren oder mit ihnen bagpackend über die Anden stapfen. Gerne wird diese „so erfüllende Zeit“ dann in Blogs verarbeitet – tolle Bilder, atemberaubende Erfahrungen – und die Familie kommt gestärkter und verbundener zurück. Exotik-Urlaub wie aus dem Bilderbuch mit tutta la famiglia und alles andere als Sauerland. Dabei kann es kein Zufall sein, dass die High-Quality-Kinder dieser Eltern bereits eine Woche nach der Geburt durchgeschlafen haben, angeblich mit 8 Monaten zu laufen und mit 1,5 Jahren zu sprechen begannen sowie mit 2 Jahren natürlich auch trocken waren.

Bei uns war (und ist) dies alles nicht so und unsere Kinder stellten sich auch hinsichtlich ihrer Tauglichkeit für „Erwachsenen-Urlaube“ als eher durchschnittlich, sprich normal heraus. Also tauschten wir die schottischen Highlands unserer Paarurlaube gegen niederländische CenterParcs.
Anfangs versuchten wir noch, am Modell der Tagesausflüge festzuhalten, zerrten unsere Kinder in Naturkundemuseen („Dort bekommen eure Kids Malsachen geschenkt“) oder versuchten den Mittagstisch beim lokalen Italiener („Die haben sogar Hochstühle“).

Wie naiv.
Um 11:30 Uhr ist das Angebot an geöffneten (und familienfreundlichen) Restaurants noch sehr gering und aus der Besichtigung eines Fürstensitzes in Goslar wurden wir „freundlich“ herausgebeten, „die Kinder dürften hier doch eh nichts anfassen und es gäbe sehr viele Treppen.“

Camping des Grauens
Der nächste Versuch, die Tapeten zu wechseln und etwas für alle Familienmitglieder zu bieten, bestand in der „Operation Wohnmobil“. Freunde hatten uns erzählt, dass man die Kinder auf einem Campingplatz „den ganzen Tag frei laufen lassen könnte“, denn „das machen alle so und alle passen auch irgendwie auf.“
Von der Tatsache, 14 Tage auf wenige Quadratmeter eingepfercht zu sein, während draußen der Campingplatz durch Dauerregen drohte, weggespült zu werden, hatten sie nichts erwähnt. Als dann die Sonne herauskam, war der Sandkasten nicht mehr als solcher zu erkennen, das Kanalisationssystem des Platzes aufgrund des weichen Bodens zusammengebrochen und die Kinderbetreuung „übernahm“ ein Dutzend Abiturienten, die 24 Stunden diverse „Mittel“ konsumierten; zumindest hat sie der „Kinderwecker“ in Gestalt unseres (die Feuerwehrsirene liebenden) Sohnes frühmorgens geweckt. Als sich auf der Rückfahrt noch Kind 2 quer durch das gemietete Wohnmobil übergab und wir anstatt der vier Stunden Fahrt ganze sieben brauchten, hatte sich das Thema „Camping mit kleinen Kindern“ erstmal erledigt.

Nun mieten wir Ferienwohnungen in Spielplatz- und Schwimmbadnähe, machen Urlaub auf dem Bauernhof und streicheln Tiere – all day long. Die schottischen Highlands sind auch in ein paar Jahren noch da.
Eine Schaukel, ordentlich Sand, Wasser und Stöcke und vor allem die Eltern in ihrer Nähe – genau das wollen (zumindest unsere) Kinder derzeit. Wenn man sich darauf einlässt, dann kann auch dieser Urlaub etwas Großes und Schönes für alle werden.
Etwas das bleibt. Auch ohne Andentour-Blog.

5 thoughts on “Urlaub mit Kindern – Hauptsache nahe am Sand

  1. In ein Paar Jahren wäre ein Campingplatz aber wirklich nochmal eine Überlegung wert 😉
    Ich war tatsächlich den ganzen Tag unterwegs und hatte dadurch jahrelang eine Brieffreundschaft 🙂

  2. Danke für diesen Artikel – ich wundere mich auch immer über die Paare, die mit ihren Kindern (scheinbar ?) total relaxed durch Museen, Restaurants und Flughäfen tingeln. Unsere Tochter (knapp 3) hat auf all das überhaupt keine Lust. Und es ist ihr offensichtlich auch völlig gleichgültig, ob der Sand, in dem sie buddelt, am Meer oder auf dem heimischen Spielplatz, liegt 😉

  3. Danke, dass Du es mal auf den Punkt bringst! Ich denke auch manchmal, dass wir ganz schön lahm mit unserem Haushüteurlaub in der Holsteinischen Schweiz und an der Ostsee sind. Ich kann euch auch noch den gezeitenlosen Ostseestrand empfehlen. Meine beiden waren den ganzen Tag beschäftigt und glücklich. Auch bei etwas mieserem Wetter (sprich leichter Nieselregen) haben wir es echt lange dort ausgehalten.
    Liebe Grüße!

    1. Hi Yva,
      ja, da waren wir auch schon. Leider zu der Zeit um Ostern, als ein Wirbelsturm die LKW’s fast von der Brücke gedrängt hat. Wir wurden am Strand also sandgestrahlt. Wir versuchen es dieses Jahr also erneut mit dem großen Sandkasten und Wasser; allerdings an der Nordsee.

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