Verloren im Dungeon – Schreiben zur mynoise-App

Im Rahmen meiner Blog-Reihe zum Thema „Schreib-Inspiration“ gibt es heute die zweite Folge.

Verloren im Dungeon – Schreiben zur mynoise-App

Der eine Autor braucht absolute Stille bei seiner Arbeit und fühlt sich schon durch ächzende Computer-Lüfter oder tickende Sekundenzeiger gestört, der andere kann nur schreiben, wenn ihn das akustische Grundrauschen von Straßencafés oder abendlichen Pubs umgibt.

Die dritte Schriftsteller-Spezies – zu der auch ich mich zähle – braucht musikalische Untermalung auf die Ohren, gerne in Form von klassischen Filmscores. Denn „absolute“ Stille verspannt mein zerebrales Schreibzentrum (und das ist wissenschaftlich bewiesen)  und in Cafés lasse ich mich allzu gerne von der Möglichkeit der Sozialstudie ablenken.

Doch es gibt diese Momente (besonders bei der Überarbeitung des Manuskripts), wo ich die Dynamik von Soundtracks als störend empfinde oder mich emotional zu sehr mitreißen lasse (schließlich soll Musik unsere Aufmerksamkeit auf diese wecken). In solchen Momenten greife ich in seit einiger Zeit zur App mynoise.

Hinter dieser App verbirgt sich nicht mehr und nicht weniger als eine liebevoll und beständig gefütterte Sound-Datenbank (wie sie auch hier und hier geboten wird). Doch die Anzahl der bei mynoise ladbaren Ton-Atmosphären (Tonmeister-Fachjargon: Atmos) ist sehr breit gestreut und bietet daher für jeden Geschmack und jede Szene etwas.

Die App ist in ihrer Grundversion kostenlos, doch beim Durchklicken der einzelnen Atmos wird schnell klar, dass der Schreiber mehr und Spezifischeres haben möchte (ich erinnere mich an eine „All You Can Hear“-Aktion, bei der man nach einem einmaligen Betrag dauerhaften Zugriff auf das ganze Archiv hat).

 

Diversität der Klang-Hintergründe

Die einzelnen „Atmos“ sind durch Symbole vorgegliedert. Hier finden sich u. a. Kategorien wie Meditation, Tonal, Music, Erie, Noise Blocker und Sound Therapy.

Gerade die als Noise Blocker aufgeführten Pre-Sets zeichnen sich durch einen beständigen Klang-Teppich aus, der sich über die störenden Umgebungsgeräusche legt (z. B. telefonierende Ehepartner, Imperium-gegen-Rebellen-Kämpfe im Kinderzimmer oder Laubbläser-Meetings der Nachbarn), um nach einiger Zeit eine Adaption des Ohres zu erreichen, wodurch es zu einer Maskierung der Störgeräusche kommt und folglich zu einem entspannten und konzentrierten Arbeiten.

 

Einige Beispiele für Atmos:

  • Natur-Geräusche wie z. B. Regen (im Dschungel, auf das Zelt- oder Blechdach usw.), Lagerfeuer (auf der Waldlichtung, in der Oase, in der Steppe etc), Ozean-Geräusche oder Gewitter
  • Transport-Sounds wie Fähren, knatternde Segel, Straßenverkehr, das Rattern von Zügen oder die Geräusche einer Sahara-Karawane
  • Industrielle Geräusche: Feuerwerk, Stahl-Fabrik, Windmühle
  • Atmosphären: Japanischer Garten, Prähistorischer Wald, Herbstspaziergang
  • Space-Sounds: Saturn Ringe, Twilight, Spaceship, Space Odyssey
  • Stimmen: Gregorianischer Chor, auch das klassische Café fehlt nicht (s.o.)

 

Besonders angetan haben es mir als Fantasy-Autor die RPG (Roleplaygames)-Sounds.

Von der Schlacht-Atmo mit Schwerterklirren und Kriegsdudelsack, über das Dungeon mit seinem entfernten Torknallen, Schritten oder anderen nicht eindeutig identifizierbaren Lauten, gerne auch böses Zauberspruch-Gemurmel oder ein schlafender Drache bis hin zum Poltergeist-Haus mit all den knarrenden Dielen und heulenden Fensterwinden ist alles dabei, was die Finger über die Tasten fliegen lässt.

Ein weitere Clou ist, dass man die meisten Sounds auch über „Scenes“ anpassen kann und somit schnell weitere Varianten des ausgewählten Klangteppichs für seine Szene wählen kann. Zudem kann mal die Slider des Equalizers animieren, so dass auch hier Abwechslung ins Spiel kommt.

 

Wenn es überhaupt einen Kritikpunkt an dieser App gibt, dann liegt eine gewisse Gefahr darin, dass man sich im Ausprobieren, Downloaden und vor allem Herumexperimentieren mit dem Equalizer verlieren kann: hier weniger Vogelgezwitscher, dafür mehr Schnauben von Wildschweinen, deutlicheres Feuerknistern und vielleicht öfters ein ferner Donner … schon hat man wieder ein paar Minuten prokastiniert und sich dem Eskapismussog von mynoise ergeben.

 

Alternative Abspiel-Möglichkeiten:

Wer die Atmos nicht kaufen, die App nicht nutzen will, oder einfach mal das Handy liegen lassen möchte, kann viele der Sounds auch auf www.mynoise.net streamen, was selbstverständlich eine Internet-Verbindung voraussetzt.

Auch auf iTunes finden sich unter „mynoise“ viele Alben, die den Vorteil mit sich bringen, dass hier mitunter ganze Klang-Geschichten über 2,5 Std. erzählt werden. Anspieltipps: „Mermaids Calling“ oder „ZenGarden“

 

Fazit: Wer ablenkungsfrei und konzentriert schreiben möchte, kommt an den Produkten von mynoise nicht herum. Gerade die App ist einfach zu bedienen, besticht durch ein breites Sound-Angebot, bietet die Möglichkeit zum Editieren der Atmos und kommt auch ohne eine Internetverbindung aus.

Damit lässt es sich gut arbeiten/schreiben.

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