(Vom) Abenteuer (ein) Autor (zu werden)

Eine kurze Biographie

„Ich schreibe dann jetzt mal ein Buch", sagte ich zu einer damaligen Kommilitonin am Ende meines Master-Studiums, irgendwo zwischen Bio-Exkursion („Carnivore Pflanzen zum Anfassen“) und Germanistik-Seminar („Goethes Faust, mal wieder“).

Kopfüber stürzte ich mich ins Abenteuer, ein Autor zu werden: Ich kaufte mir nur ein Notizbuch, las einen Schreibratgeber, verstand solche Fachbegriffe wie „Prämisse“ auf Anhieb und schrieb meinen Debütroman daraufhin in einer vernebelten Nacht im Oktober.

 

Nein, so lief das überhaupt nicht.
 

Denn während ich mich völlig planlos im Schreiben übte (diverse Versuche aus der Kind- und Jugendzeit munkeln von einer Karl May-Biografie für 50 Pfennig, einem Comic-Heft über meine Lehrer der Klasse 8 sowie einigen Shortstorys zu den Spielfiguren des Fantasy-Rollenspiels „Das Schwarze Auge“), lenkten mich immer wieder andere "Abenteuer" von meinem Ziel ab.

Als Schüler verdiente ich mein Taschengeld als Zeitungsbote, Nachhilfelehrer für diverse Schulfächer und Lehrer für Trompete. In den Sommerferien wusch ich entweder Tonnen von Autos und reparierte wochenlang Fotokopierer. Später jobbte ich als Promoter für einen amerikanischen Softdrink (ohne Zucker!), war jahrelang Servicemitarbeiter in einem Düsseldorfer Multiplex-Kino, und bei einer Postproduction-Firma Sounddesigner und Sprechercaster für TV-, Radio- und Kinowerbung ("Eon - neue Energie", "Heute ein König", "Die neue Dr. Best X-Sensorkopf"). In Berlin jobbte ich als Aufnahmeleiter-Assistent am Set von "Im Namen des Gesetzes" (RTL).

Irgendwann hatte ich von Was-mit-Medien allerdings genug und die Vernunft hielt Einzug. So begann ich in Bochum mein Master-Studium und arbeite noch heute als Lehrer für Biologie und Deutsch an einem Duisburger Gymnasium.

Während all dieser Jobs habe ich mindestens sechs Mal Umzugskartons geschleppt, Berge von Windeln gewechselt, die verbleibenden Haare auf meinem Kopf gezählt, ein paar Musikinstrumente erlernt und eine wundervolle Frau geheiratet.

Im Frühjahr 2020 (also kurz vor diesem "Corona") war es dann endlich soweit: Mit
„Family Quest - Das Amulett des Merlin“ erschien mein erstes Kinder- und Jugendbuch im Ueberreuter Verlag. Ein weiteres Buch mit dem Titel "Doggerland - Die versunkene Welt" folgte im Herbst ’20, ebenfalls im Ueberreuter Verlag.

Es ist also durchaus ein wenig Zeit vergangen, seit ich damals einer Kommilitonin von meinem Abenteuer, ein Buch zu schreiben, erzählte.

 

Ein kluger Mann sagte einmal: „Schnelligkeit ist notwendig, um Flöhe zu fangen, aber nicht, um Bücher zu schreiben.“ 


Also dann: Auf zu weiteren Abenteuern!

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